Bundeswettbewerb 2019 findet statt!

Der 51. Bundeswettbewerb findet in diesem Jahr vom 6. bis 8. September in München statt!

Die Fragen bleiben, die sich in Verlauf der langen Ausrichtersuche stellten, denn einerseits hatten sich die Familien der Ruderkinder für die Urlaubsplanung Anfang Juli 2019 für den BW freigehalten und nun sind möglicherweise ein Teil der Ruderkinder Bayerns und Baden-Württenbergs wegen der gebuchten Sommerferien-Urlaube nicht dabei und anderseits gehen die Gedanken schon in Richtung Zukunft, was wohl 2020 sein wird.

1. Hat die Deutsche Ruderjugend alle zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung gesetzt, einen BW Anfang Juli 2019 stattfinden zu lassen?

Antwort R.B.: Die von der DRJ benannten Probleme bei der Ausrichtersuche (die drei - vier Tage Dauer, einen Sattelplatz in entsprechender Größe, Sicherung der Veranstaltung, Zurverfügungstellung von ausreichenden sanitären Anlagen, vermehrt brandschutzrechtliche Bestimmungen und weitere administrative Hürden) sind ähnliche wie bei großen nationalen und internationalen Regattaveranstaltungen für Junioren und Senioren. Diese Veranstaltungen finden statt, für die Kinder aber nicht?

2. Ist der traditionelle BW-Termin erstes Juli-WE für die großen Regattaveranstaltern unpassend?

Antwort R.B: Zum traditionellen BW-Termin erstes Juli-WE findet lediglich eine Regatta in Offenbach statt. Natürlich sind die Ausrichter auch durch den Kanusport und dessen Termine gebunden. Doch dass sich kein einziger Regattaveranstalter für den BW Anfang Juli gefunden hat, ist unbegreiflich.

3. Möglicherweise schreckt potentielle BW-Veranstalter ab, sich um die Verpflegung der ca. 1400 Ruderkinder incl. Betreuer und Helfer lt. Ausschreibung kümmern zu müssen?

Antwort R.B.: Nun wenn das der einzige Punkt wäre, dann stellt sich die Frage, warum die Verpflegung nicht aus dem BW-Paket ausgegliedert und durch die Ruderjugenden der Bundesländer selbst organisiert wird?

4. Brandschutzrechtliche Bestimmungen als Problem könnten mit der Quartierfrage, zusammenhängen und dass in den bisher üblichen Sporthallen tatsächlich die Sicherheit der Kinder in dieser Hinsicht nicht mehr vollumfänglich gewährleistet werden kann.

Antwort R.B.: In diesem Jahr haben 9 Bundesländer zum ersten Juli-WE Schulferien und es könnten Schulzimmer genutzt werden. Auch sind sanitären Anlagen, Rettungswege und Brandschutz in Schulen für große Kinderzahlen stets ausreichend. Ob in diese Richtung nach Lösungen gesucht wurde, ist mir nicht bekannt.

5. Welche Lösungen für die Übernachtungsfrage könnten noch angedacht werden?

Antwort R.B.: Ausrichter mit großen nutzbaren Flächen am Standort könnten Mietzelte als kleine Zeltstadt einschließlich sanitären Anlagen aufstellen. Oder man erwägt einem BW in feste Ausrichterhand zu geben, der dann Planungssicherheit hätte und für den ein Kauf von Übernachtungszelten perspektivisch günstiger wäre. Oder warum nicht die Ruderjugenden selbst für Quartiere sorgen lassen, z.B. Pensionen, Jugendherbergen im Umkreis von 30 Fahrminuten oder ggfs. mehr?

6. Vielleicht sind es gar nicht die administrativen Hürden, die Verpflegungs- oder die Quartierfrage, die potentielle BW-Ausrichter abwinken lässt, sondern weil es für sie ein Zuschussgeschäft ist?

Antwort R.B.: Wenn dies so sein sollte, gehört auch die BW-Finanzierung öffentlich diskutiert. Der Ausrichter erhält seit Jahren pro Teilnehmer und Übungsleiter 75 €, dass wären bei ca. 1000 Kindern mit ca. 200 Übungsleiter 90.000€. Wenn diese Einnahmen nicht ausreichen, Verpflegung, Quartiere, Betriebskosten am Regattaplatz, Aufwandsentschädigungen der Schiedsrichter und alles weitere Anfallende zu bezahlen, dann ist die Einnahmesituation durch Sponsoren oder ggf. Erhöhung der Teilnehmerbeiträge, die die Vereine zahlen, zu verbessern. Eine solche Diskussion zur eventuellen Erhöhung der BW-Teilnehmerbeiträge gab es bisher nicht. Ich bin überzeugt, dass sich BW-Ausrichter finden ließen, wenn „die Kasse stimmt“ und sogar noch ein kleiner Gewinn übrigbleibt, der den großen persönlichen Aufwand des BW-Macherteams vor Ort kompensiert.

7 Warum hat der BW für die Ruderkinder eine so große Bedeutung?

Antwort R.B.: Einerseits erkämpfte eine Mehrheit der an BW teilnehmenden Ruderkinder in ihrem jeweiligen Bundesland als 12- und 13-jährige schon Landesmeistertitel. Daraus wächst die Motivation sich mit den Altersgefährten in Deutschland zu messen. Dafür strengen sie sich 3x wöchentlich und mehr im Training an. In allen Bundesländern sind die Regattaauschreibungen im ersten Halbjahr für die 12-14 jährigen jeweils in Streckenlängen, z.B. immer die 3000m Langstrecke auch in Mannschaftbooten, und Bootsklassen dem BW angepasst, Dabei kämpfen Kinder z.B. in ihren Vierern lieber Bord an Bord als über 3000 m im Einzelzeitrudern. Und anderseits lieben die Kinder den Bundeswettbewerb, in dem sie für ihr Bundesland antreten und wunderschöne Erlebnisse haben.

8. Möglicherweise denkt man beim Deutschen Ruderverband nicht mehr die Breite leistungsbereiter Ruderkinder zu brauchen, angesichts von Quereinsteigern wie der 2018er WM-Einer-Ruderer Olaf Zeidler, der zeigt, dass es auch anders geht?

Antwort R.B.: Im Alter von 12-13 Jahren gibt es ein besonderes Zeitfenster für das Erlernen von Feinkoordination für den Rudersport, das gute Kindertrainer zu nutzen verstehen, und auf dem Junioren- und Seniorentrainer aufbauen. Mein Vereinsmitglied Johannes Doberschütz, Vizeweltmeister im Deutschlandachter 2002, der erst mit 17 Jahren das Rudern erlernt hatte, erzählte mir einmal, dass er sich bestimmte feinkoordinative Sachen hatte nicht mehr aneignen können, die er bei seinen schon seit dem Kinderalter rudernden Achterkollegen im Training und Wettkampf wahrnahm. Er konnte diesen Mangel mit überdurchschnittlicher Kraft wett machen, doch nicht jeder Leistungsruderer wird das können.

Rosi Brunzlaff, Akademischer Ruderverein zu Leipzig e.V., E-Mail: jugendrudern@arvl.de.

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